Das Westernhobby ist eine große Leidenschaft von mir. Ich bin vor ein paar Jahren von einem guten Freund mal auf ein Westerntreffen mitgenommen worden. Ich dachte schon, ich würde bei irgendwelchen Karnevalsfreaks landen.
Aber was ich an diesem Wochenende erlebt habe, sollte mein Leben nachhaltig beeinflussen. Das hatte absolut nichts mit Karneval zu tun, sondern vielmehr mit lebendiger Geschichte.
Da waren Indianer, Trapper und Waldläufer, Nord und Südstaatler und jede Menge andere Charaktere aus verschidenen Epochen der amerikanischen Geschichte. Alles sehr autentisch nachgestellt. Von der Kleidung über Zelte und Ausrüstungsgegenstände, sowie die Bewaffnung der damaligen Zeit stimmte einfach alles.
Und hier meine Story :
Meine Geschichte !
Wie alles anfing.....!
Es muß irgendwann 1815 im Herbst gewesen sein, als diese Horde von Kichai-Apachen über das Land meiner Ahnen kahm.
Es war das Land meiner Großeltern, waschechter Deutsch-Texaner die mithalfen, die Rotröcke zum Teufel zu jagen.
Sie kamen 1760 in dieses Land, mein Großvater im zarten Alter von 6 Jahren und seine Eltern. Wie und warum sie umkamen kann heute niemand mehr sagen, aber mein Großvater lernte sehr schnell was es heißt Texaner zu sein. Als er diese hübsche Belgierin kennen lernte, hatte er sich schon eine kleine Farm am oberen Brazos-River aufgebaut. Es waren harte Jahre die über´s Land gingen, aber es hatte sich gelohnt.
Bald zählte er zu den grösten Farmern der ganzen Gegend.
Als mein Großvater von einer vier Wochen dauernden Jagd zurückkehrte, stellte er fest, das die Indianer ganze Arbeit geleistet hatten. Sie hatten das ganze Gebiet bis runter zur Mündung des Brazos in den Missisipi verwüstet. Seine Frau hatte sich mit den anderen Familien früh genug in Sicherheit gebracht. Es war schon eine Vorsehung, das diese Leute Wachposten aufgestellt hatten. So konnten wenigstens sie dem Angriff entgehen. Trotzdem gab es viele Opfer, unter ihnen die Jeffersons, die bis auf die kleine Mary ausgelöscht wurden.
Es waren um die 150 Leute, die richtung Norden aufbrachen, um furchtbare Rache zu nehmen..........
1784 war ein schönes Jahr. Es gab so gut wie keine Attacken der Indianer weil ein alter mexikanischer Fratre sie wohl überzeugt hatte, das wir alle in Frieden miteinander leben könnten. Außerdem wurde mein Vater in diesem Jahr geboren.
Er wuchs in einer relativen Ruhe auf und lernte sehr früh, mit dem Pferd und der Waffe umzugehen. Bald hatte mein Großvater einen tüchtigen "Mann" an seiner Seite.
Seine Mutter starb sehr früh an irgend einem Fieber weil es kaum Ärzte in diese Gegend gab, und als er 6 Jahre alt war brachte man im die Nachricht von seines Vaters Tod. Er war mit dem alten Jones von der Nachbarfarm auf der Jagd, als sie von einer Gruppe Indianer überfallen wurden. Mr. Jones konnte sich retten, aber mein Großvater.............
So wurde er von den Jones, dessen ältester Sohn die Farm meines Großvater´s weiterführte, großgezogen. Als mein Vater 15 Jahre alt war, heiratete er Carry, die jüngste Tochter der Jones und übernahm wieder die Farm seiner Familie.
Hank Jones, der bis dahin der Verwalter der Farm war, hatte seine Probleme damit aber mein Vater überzeugte ihn auf Texanerart.
Es dauerte eine Weile bis der alte Jones meinem Vater verziehen hatte, aber irgendwann begriff er, das es nicht mein Vater war, der die Schuld an Hank´s Tod trug. So gingen die Jahre ins Land und im Jahr 1812 wurde ich geboren......auf einem Feld 2 Meilen von der Farm weg.
Meine Mutter Carry starb 2 Tage nach der Geburt und setzte damit die Reihe der Schicksalsschläge unserer Familie fort.
Als ich 3 Jahre alt war, und ich werde den Tag nie vergessen, rief mein Vater laut nach mir. Ich lief raus auf die Veranda und sah meinen Vater, der mit weit aufgerissenen Augen Richtung Norden starrte. Dichte Rauchschwaden zogen aus der Richtung, in der die Farm der Jones lag. Mein Vater packte mich und warf mich auf den Wagen den er eigendlich angespannt hatte um zu dem Handelsposten zu fahren der am Fluß lag.
Ich weiß bis heute nicht warum, aber anstatt nach Süden zu fliehen fuhr er Richtung Norden. Er wollte wohl versuchen die Jones zu retten und so passierte es. Auf halber Strecke wurde mein Vater plötzlich von 2 Pfeilen in die Brust getroffen und fiel vom Wagen. Die Indianer stoppten den Wagen und starrten mich an. Es war wohl mein Glück, das ich noch so jung war, denn einer dieser Kichai-Apachen zog mich auf sein Pferd und nahm mich mit. So verging der 19. September 1815
Ich lernte sehr schnell, das man bei den Indianern nur mit Stärke und Mut überleben konnte. Aber beides hatte ich zu dieser Zeit noch nicht. Erst als der Sohn eines Kriegers sich meiner annahm, wurde aus mir das, was man im allgemeinen einen Mann nennt. Er brachte mir das Reiten, Bogenschiessen und den Umgang mit dem Messer bei. Er nahm mich mit auf die Jagd und zeigte mir alle Tricks die er weitergeben konnte.
Bis der Tag kam, an dem ich Rache nahm für den Tod meines Vater´s. Ich hatte das Gesicht des Krieger´s der die Pfeile auf meinen Vater schoß jede Nacht vor Augen und als der beste Moment gekommen war, tötete ich ihn. Wir schrieben das Jahr 1828.
Ich lief die ganze Nacht, immer und immer weiter, es muß eine Woche vergangen sein bis ich an einen kleinen Handelposten kam. Der Mexikaner der in betrieb, gab mir Arbeit und ein Dach über dem Kopf. Als ich dann die grade mal 15 jährige Melissa kennen lernte, glaubte ich es geschafft zu haben. Aber die Lehren und das Leben bei den Indianern hatte mich schon zu weit entfernt von einem Leben in der Zivilisation. Und so zog ich mit 20 Jahren Richtung Norden um dort Fallen zu stellen.
Es ist eine schöne Gegend zwischen Yellowstone-River und dem oberen Missouri und die Lehre von Katehe, dem Sohn des Kichai-kriegers kam mir sehr zugute. Ich hatte mich gut versorgt mit Vorräten an Pulver und Blei, denn in dieser Gegend gab es immer wieder kleinerer Gefechte zwischen verfeindeten Sioux und Crow Kriegern. Ich hatte mich mit einigen Sioux angefreundet und war nicht grade wild darauf, den Crow in die Hände zu fallen.
Allerdings hat mich meine treue Long-rifle bis jetzt vor dem schlimmsten bewahrt.
Wir schreiben nun das Jahr 1849 und ich bin 36 Jahre auf Gottes Erde.
Wenn ich irgendwann wieder in die Zivilisation zurückkehren sollte, und der große Geist möge mich davor bewaren, werde ich diese Geschichte fordsetzten.
In diesem Sinne, liebe Hobbyisten,
ein Mountainman